Freie Schulwahl im dualen System – Chancen und Risiken

In Nordrhein-Westfalen wurden zum 01.08.2008 die Berufsschulbezirke per Gesetz aufgehoben. Damit wurde eines der grundlegenden Charakteristika der deutschen dualen Berufsausbildung – die duale Lernortstruktur – neu organisiert: Anstelle der bislang staatlich regulierten Zuordnung einer Berufsschule zu einem Ausbildungsbetrieb darf ein Betrieb seinen dualen Partner nun frei wählen. Mit der Intention eines aus der freien Berufsschulwahl resultierenden qualitätsfördernden Wettbewerbs zwischen Schulen setzt das Land NRW als bundesweiter Vorreiter damit auf die Steuerungsmechanismen des Marktes.
Im Rahmen einer empirischen Untersuchung in NRW sollen die Reaktionen der beiden Partner im dualen System – der Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe – auf die Abschaffung der Berufsschulbezirke analysiert und den mit der Schulgesetzänderung einhergehenden möglichen Chancen und Risiken aus der Perspektive beider Lernorte nachgegangen werden. Das grundlegende Forschungsziel richtet sich dabei auf die wirtschaftspädagogisch sowie bildungsökonomisch relevante Frage, inwiefern sich die auf eine marktlich-dezentrale Steuerung abzielende Politik der freien Schulwahl, wie sie im Kontext des dualen Systems in NRW bundesweit erstmalig praktiziert wird, in einer als „staatlich gesteuertes Marktmodell“ (Greinert 1988: 149) historisch gewachsenen dualen Berufsausbildung etablieren kann.

Die empirische Untersuchung gliedert sich in zwei aufeinanderfolgende Forschungsphasen: eine explorative (hypothesengenerierende) und eine explanative (hypothesenprüfende) Analyse. Die explorative Analyse erfolgte in zwei Schritten: In einem ersten Schritt wurde eine systematische Untersuchung der zur Schulwahlreform vorliegenden Landtagsdokumen­te vorgenommen. Die Dokumentenanalyse wurde in einem zweiten Schritt durch einen primäranalytischen Feldzugang – eine Interviewbefragung von Experten auf der administrati­ven Steuerungsebene des dualen Systems – ergänzt. In der zweiten, explanativen For­schungsphase wurden die explorierten Sachverhalte mittels einer standardisierten schriftli­chen Befragung von Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben statistisch geprüft. Das Unter­suchungsdesign ist triangulativ angelegt: Es werden sowohl zwei Systemebenen (die poli­tisch-administrative Steuerungsebene und die Ausbildungsebene) als auch zwei methodi­sche Zugänge (qualitative und quantitative Verfahren) einbezogen.

Projektleitung: Dr. Kathrin Breuing (geb. Huber)

Projekt-Team: Robin Heine, Katrin Bitterle, Franziska Wieland, Andreas Jüttler

Finanzierung: Ausschuss für Forschungsfragen (AFF) der Universität Konstanz 

Faltblatt zum Projekt

Publikationen

Breuing, K. (2014): Das Sprengelprinzip im dualen System  ordnungspolitisches Relikt oder notwendiges Steuerungsinstrument? In: bwp@ Berufs- und Wirt­schafts­pädagogik – online, Ausgabe 25, S. 1-19.
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Breuing, K. (2014): Schulwahl und Schulwettbewerb im dualen System. Zur Aufhebung der Berufsschulbezirke in Nordrhein-Westfalen. Dissertation, 2013, Universität Konstanz. Wiesbaden: Springer VS.
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Huber, K. (2011): Pro und Contra zur Aufhebung der Berufsschulbezirke in Nordrhein-Westfalen. Bilanz einer Dokumenten- und Interviewanalyse. In: Kölner Zeitschrift für Wirtschaft und Pädagogik 51, S. 3-30.

Huber, K. (2011): Berufsschulwettbewerb und staatliche Regulierungsmechanismen: Ergebnisse einer Expertenbefragung in Nordrhein-Westfalen. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik 107 (4), S. 568-589.

Huber, K. (2010): User choice: Who’s the user? Who’s the chooser? The principle of choice in the German and Australian vocational education and training context – a comparative analysis. In: International Journal of Training Research 8 (1), pp. 80-96.

Huber, K. (2009): Freie Schulwahl im dualen System: Chancen und Risiken. In: Wuttke, E. et al. (Hrsg.): Erträge und Perspektiven berufs- und wirtschaftspädagogischer Forschung. Opladen/Farmington Hills, S. 89-100.