Studiengang
Wirtschaftspädagogik

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Modellierung und Messung wirtschaftsbürgerlicher Kompetenz

Laufzeit: April 2012 – März 2015

Im Rahmen des vom schweizerischen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) geförderten Projekts werden ein Modell und ein technologiebasiertes Instrument zur Erfassung wirtschaftsbürgerlicher Kompetenz von Lernenden in der kaufmännischen Ausbildung entwickelt. Die Studie ist ein Teilprojekt des von Prof. Dr. Esther Winther (Universität Paderborn) geleiteten Verbundprojekts CoBALIT, welches wiederum in die BMBF-Forschungsinitiative ASCOT eingebettet ist. Zugleich ist das Projekt synergetisch mit dem Leading House „Lehr-Lernprozesse im kaufmännischen Bereich (LINCA)“ verknüpft. Das Vorhaben wird in Kooperation mit Prof. Dr. Franz Eberle (Universität Zürich) durchgeführt.


Hintergrund

Traditionell wird in der Schweiz im Hinblick auf den wirtschaftsbildenden Unterricht in der kaufmännischen Grundbildung neben einer wirtschaftsberuflichen Bildung die systematische Förderung eines allgemeinen Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnisses angestrebt. Referenzfigur ist der kompetente „Wirtschaftsbürger“, welcher sich seiner Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftlichen Verantwortung auf der Basis seiner Kenntnis über wirtschaftliche Zusammenhänge bewusst ist. Dies findet seine Entsprechung in den Zielsetzungen des Lernbereichs „Wirtschaft und Gesellschaft“ in der kaufmännischen Berufsfachschule. Ob Absolventen einer kaufmännischen Ausbildung jedoch über eine solche „Wirtschaftsbürgerliche Kompetenz“ verfügen, ist aus wissenschaftlicher Sicht weitestgehend unergründet.


Definition und Modell

Wirtschaftsbürgerliche Kompetenz wird in der Studie als das Vermögen definiert, private, betriebswirtschaftliche und wirtschaftspolitisch-gesamtwirtschaftliche Problemstellungen zu verstehen, vorgeschlagene Lösungen zu beurteilen und für einfache Probleme selbst Lösungen zu entwickeln. Im Hinblick auf die Modellierung wird davon ausgegangen, dass grundsätzlich zwischen einer domänenverbundenen und einer domänenspezifischen wirtschaftsbürgerlichen Kompetenz unterschieden werden kann. Das Modell ist zugleich Teil eines umfassenderen Kompetenzmodells für die kaufmännische Domäne. Im Gegensatz zur kaufmännischen Kompetenz ist die wirtschaftsbürgerliche Kompetenz jedoch nicht ausschließlich auf bestimmte Berufe ausgerichtet und zugleich nicht handlungs- sondern vielmehr verstehensbasiert.


Fragestellungen

Teils unter Rückgriff auf das integrierte Kompetenzstrukturmodell des Projektes CoBALIT sollen u.a. folgende Forschungsfragen beantwortet werden:

  • Über welche wirtschaftsbürgerlichen Kompetenzen verfügen kaufmännische Auszubildende am Ende ihrer Ausbildung?
  • Kann die postulierte Dimensionierung in eine domänenspezifische und eine domänenverbundene wirtschaftsbürgerliche Kompetenz empirisch belegt werden?

  • Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen der wirtschaftsbürgerlichen Kompetenz und den kaufmännischen Kompetenzen?
     
  • Welche Zusammenhänge lassen sich zwischen systemischen Kontextbedingungen und der wirtschaftsbürgerlichen Kompetenz identifizieren?

  • Lassen sich Unterschiede zwischen den beiden beteiligten Ländern Schweiz und Deutschland identifizieren? Falls ja: Gibt es empirische Hinweise darauf, was die Ursachen für diese Unterschiede sind (z.B. Ausgestaltung des Ausbildungsangebots oder individuelle Ausgangs- und Lernbedingungen der Auszubildenden)?

Methode

Die Untersuchung wird am Ende der Ausbildung (Schuljahr 2013/14) im Querschnitt durchgeführt. Neben den Auszubildenden in der kaufmännischen Grundbildung in der Schweiz werden Industriekaufleute und Speditionskaufleute in Deutschland untersucht. Hierbei wird ein Mehr-Kohorten-Design verwendet, mit dem sich im Verbundprojekt eine vergleichsweise große Stichprobe realisieren lässt, und gleichzeitig über einen unechten Längsschnitt hinweg auch Veränderungen in den Kompetenzstrukturen und Kompetenzausprägungen im Ausbildungsverlauf erfassen lassen. Für die Datenerhebung wird in beiden Ländern eine Stichprobe von jeweils 1.500 Auszubildenden gezogen.

Team

Kernteam:

Prof. Dr. Franz Eberle (Universität Zürich)

Prof. Dr. Stephan Schumann (Universität Konstanz)

Esther Kaufmann, Ph.D. (Universitäten Zürich und Konstanz)

Nicole Ackermann (Universität Zürich)


Die Projektarbeiten werden/wurden zudem unterstützt von:

Dr. Michael Pflüger (Universität Zürich)

Cyrill Gruber (Universität Zürich)

Nathalie Honold (Universität Konstanz)

Michael Jüttler (Universität Konstanz)



Kontakt
: Esther Kaufmann, Ph.D.

Link zur Projekthomepage

 

Publikationen/Vorträge

Eberle, F., Schumann, S., Kaufmann, E. & Ackermann, N. (in Bearbeitung). Theoretische Grundlegung 
      und Operationalisierung wirtschaftsbürgerlicher Kompetenz
(Arbeitstitel).

Schumann, S. & Eberle, F. (im Druck). Ökonomische Kompetenzen von Lernenden am Ende der
      Sekundarstufe II. In: E. Winther & M. Prenzel (Hrsg.), Perspektiven der empirischen
      Berufsbildungsforschung - Kompetenz und Professionalisierung. Beiheft der Zeitschrift für
      Erziehungswissenschaft.

Schumann, S., Kaufmann, K., Ackermann, N. & Eberle, F. (2014). Modelling and measuring civic-
      economical competence in commercial apprenticeship in Switzerland. AERA-Conference 2014,
      Philadelphia, April 2014.

Schumann, S., Kaufmann, E., Ackermann, N. & Eberle, F. (2014). Modellierung wirtschaftsbürgerlicher
      Kompetenz von Lernenden in der kaufmännischen Ausbildung: Strukturmodell und erste
      Befunde zur Dimensionalitätsprüfung. Arbeitsgruppe „Bedingungen und Wirkungen von
      Lehr-Lernprozessen in der kaufmännischen Grundbildung (Holtsch & Eberle)“ DGfE-Kongress
      2014 „Traditionen und Zukünfte“ in Berlin, 09.-12.03.2014.

Schumann, S., Eberle, F. & Oepke, M. (2013). Ökonomisches Wissen und Können am Ende der
      Sekundarstufe II: Effekte der Bildungsgang-, Klassen- und Geschlechtszugehörigkeit. In:
      Faßhauer, U., Fürstenau, B. & Wuttke, E. (Hrsg.), Jahrbuch der berufs- und  
      wirtschaftspädagogischen Forschung 2013 (S. 35-46). Opladen: Barbara Budrich.

Schumann, S., Oepke, M., Eberle, F. & Kaufmann, E. (2013). Effekte von Lehrpersonenmerkmalen
      im Wirtschaftsunterricht: Eine mehrebenenanalytische Betrachtung. Frühjahrstagung der Sektion
      Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 05./06.03, Kassel.

Schumann, S. (2012). Neue Perspektiven in der Berufsbildungsforschung: Die Leading Houses
     "Qualität der beruflichen Bildung" und "Lehr- Lernprozesse im kaufmännischen Bereich".
     Symposium, Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung, 02.-04.06,
     Bern.

Schumann, S., Oepke, M. & Eberle, F. (2012). Ausprägung und Erklärungsfaktoren ökonomischer
     Kompetenzen von Lernenden in der Sekundarstufe II. Vortrag im Rahmen der BWP-
     Herbsttagung vom 24.-26.09.2012 in Paderborn.

Schumann, S. & Eberle, F. (2012). Economic Competencies in Swiss Upper Secondary Education.
     AERA-Conference, April 2012, Vancouver.